Eine bessere Geschichte – im Gespräch mit Adnan Softić

Filmstill aus dem Film „Bigger Than Life“ (Adnan Softić, 2018, 30 min)

Filmstill aus dem Film „Bigger Than Life“ (Adnan Softić, 2018, 30 min)

Das Gespräch wurde am 30.09.18 während Adnan Softićs Residence im Message Salon in Zürich geführt. Wir sprechen über den Film „Bigger Than Life“, den westlichen Blick auf Mazedonien, darüber wer unter welchen Bedingungen Geschichte schreiben kann und wer nicht, künstlerische Arbeitsweisen zwischen Film, Kunst, Theater und Buch und Gewissheiten, die durch die Begegnung mit Filmen erschüttert werden (können).

Katja: Lieber Adnan, ich freue mich sehr, dass du heute Zeit hast mit mir zu sprechen trotz deiner ganzen Projekte und Reisen, die du momentan machst. Ich verfolge deine künstlerische Praxis seit einigen Jahren und schätze die Komplexität und das Interdisziplinäre in deinen Arbeiten, die meines Gefühls nach immer dichter und vielfältiger geworden sind. Du arbeitest ja in unterschiedlichen Medien, wie Theater, Film, Buch und Videoinstallation. Vielleicht können wir am Ende des Gesprächs auf diesen Punkt zu sprechen kommen, den ich persönlich sehr spannend finde. Aber jetzt wollte ich mich auf dein neuestes Projekt fokussieren, den Film „BIGGER THAN LIFE“, der dieses Jahr rausgekommen ist. Der Film ist Teil der neuen VETO Film Edition #06 und wird dieses Jahr auch im Rahmen des VETO Film-Screenings im Metropolis gezeigt. Er hatte seine Premiere in Oberhausen, wo er auch mit den 3sat Förderpreis ausgezeichnet wurde. Um was geht es in dem Film?

 

Adnan: Es geht um das Zentrum der Stadt Skopje in Mazedonien, das momentan in eine Baustelle verwandelt wurde und wo eine scheinbar antike Stadt aufgebaut werden sollte. Im Gegensatz zu Las Vegas oder anderen Replika-Städten, die keine Probleme haben zuzugeben, dass sie Replikas sind, geht es hier einen Schritt weiter: Ohne, dass sie eine jegliche Art von archäologischer Basis haben, von der aus etwas wiederaufgebaut werden könnte, erheben sie Anspruch auf die antike Geschichte, um somit neben Athen und Rom zu dem Ursprungsorten des europäischen Narrativs dazuzugehören. Der Moment, der Imagination und Erinnerung zusammenbringt, der gleichzeitig auch der Moment ist, wo Nation Building und die Konstruktion der Nation in „realtime“ abgespult werden, hat mich sehr stark interessiert. Außerdem noch der Aspekt der Gewalt, der in Architektur mitschwingt. Den zu untersuchen und das zu verorten und zu verhandeln.

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